Camino Francés · Etappe 20
León
Tag 22 · Etappe 20 · Reliegos nach León · 24,3 km laut Führer
Heute ist der letzte Tag der Meseta. Diese Strecke, die ohne wesentliche Highlights auf der Hochebene von Burgos nach León führt. Um einmal ganz direkt zu sein: Ich werde sie nicht vermissen. Meinem Körper hat diese Eintönigkeit und die gleichförmige Bewegung in jedem Fall nicht gut getan und der Ruhetag in León ist wirklich nötig.

Es ist wieder Regen angesagt und ich begebe mich um 7:30 auf den Weg nach León. Besonders motiviert bin ich nicht. Meine Schuhe sind noch klitschnass vom Vortag, man hat sie vonseiten des Hostels einfach nach draußen gestellt, zum trocknen. Natürlich war dies bei 90% Luftfeuchtigkeit nicht sehr erfolgreich. 🙄 Daher laufe ich die ersten 10 Kilometer erst einmal meine Schuhe langsam trocken und warm. Da der Camino Francés noch immer eine Pfützenlandschaft ist, bevorzuge ich die wenig befahrene Straße. Einen Kaffee konnte ich in meiner Herberge heute morgen nicht bekommen, es ist Sonntag und alles hat zu. Wider Erwarten bleibt alles trocken und gegen 8:30 Uhr kommt die Sonne heraus. Meine Stimmung verbessert sich erheblich und zu meinem Glück fehlt eigentlich nur noch ein Frühstück. Dieses bekomme ich dann auch noch im nächsten Ort, Mansilla de las Mulas. Im ganzen Ort hat genau ein Lokal offen, zumindest sah ich nur das eine. Die Wahl war daher leicht und ich nehme, was ich bekommen kann. Heißer Kaffee, ein Sandwich und ein Schokobrötchen später bin ich voller Energie. Ich danke dem Wirt überschwänglich, räume noch sämtliches Geschirr auf den Tresen und man wünscht mir einen guten Weg. 🌞

Ich überquere diverse Brücken und begrüße die Abwechslung in der Szenerie. 8 Tage war ich auf der Meseta unterwegs. Jetzt kann ein neuer Abschnitt kommen.

Diese Brücke markiert den Eingang zur Stadt und ich freue mich darauf meine Freunde vom Camino wiederzutreffen, die ich seit gut einer Woche nicht mehr gesehen habe und die hier einen Ruhetag eingelegt haben.

Kurz vor León treffe ich noch auf Robert aus Schottland, denn ich auch schon einige Tage nicht mehr gesehen hatte und er prescht nach kurzer Plauderei weiter voran. Aus unerfindlichen Gründen hole ich ihn bestimmt 3-4 Mal wieder ein, ohne mein Tempo auch nur im Ansatz zu erhöhen und er entscheidet sich die letzten Kilometer zum Ziel mit mir zusammen zu gehen. Robert lebt in der Nähe von Edinburgh und schreibt gerade sein erstes Buch. Es geht um Vampire – na dann. Wäre doch nicht schlecht einen angehenden Bestsellerautor zu kennen, oder? 😀😉
Ich checke in mein Hotel ein, dass ich mit gegönnt habe und es ist hervorragend. So weit, so gut. Am Nachmittag erkunde ich die Altstadt und kann sagen, dass mir León sehr gut gefällt und ich mit Vorfreude auf dem Ruhetag blicke.

Es ist gerade wieder ein Fest in der Stadt, der Höhepunkt der Feierlichkeiten zu den Fiestas de San Frólán, bei denen es hauptsächlich um regionales Brauchtum geht. Trachten und Umzüge sind in der Stadt allgegenwärtig. Die Leute sind ausgelassen und genießen den Tag in den zahlreichen Cafés und Bars der Altstadt.
Später treffe ich mich noch mit meinen Pilgerfreunden und wir essen gemeinsam zu Abend. Es gibt sehr Fleischlastige Kost und ich schaffe meine Portion nicht. Die Stimmung ist gut und wir erzählen und von den Ereignissen der letzten Woche.

Auf dem Rückweg zum Hotel bestaunen ich noch die Lightshow in der Innenstadt.

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