Camino Francés · Etappe 17
Schnurgerade 17km geradeaus
Tag 19 · Etappe 17 · Carrión de los Condes nach Terradillos de los Templarios · 26,3 km laut Führer
Ein paar Pilger hatten sich Sorgen gemacht, ob eines Teilabschnitts von 17km ohne Dorf, d.h. ohne leibliche Versorgung. Hatte mich anstecken lassen und für die Meseta allgemein ein paar Vorräte eingekauft, die ich nun schon seit ca. 100km mit mir herumschleppe, denn die Versorgung ist überall ausgezeichnet. Niemand lässt sich die zahlungswilligen Pilger entgehen. 😉
So gab es auch heute auf den 17 mörderischen Kilometern ganze drei Food Trucks, bei denen man sich vollversorgen lassen konnte. Ich Depp, noch immer trage ich eine extra Wasserflasch, ca. 400g Erdnüsse und eine Tüte Datteln. Wenn jedes Gramm zählt, ist das kein nebensächliches Zusatzgepäck. 🙄

Mein Tagesziel für heute ist Terradillos de los Templarios, 26km entfernt. Als ich nach gut drei Stunden laufen plötzlich auf einen Ort stoße, wundere ich mich erst einmal stark. Ich kann doch noch keine 17km gelaufen sein, denke ich mir. Zum Glück ist mein erster Gedanke falsch und ich habe den ersten Teilabschnitt wirklich absolviert. Daraufhin gibt es erst einmal ein Stück Bananenkuchen und ein Radler aus der Dose, man gönnt sich ja sonst nichts. Da ich ohnehin alle zwei Stunden Hunger habe, kann das Restaurant bei mir mit Wohlwollen rechnen, quasi immer. 😄

Der Camino wird auf den nächsten Kilometern leider zu einer altertümlichen Steinstraße, die von meinen Füße klar abgelehnt wird. Man kann gar nicht richtig auftreten, weil die Steine so unregelmäßig herausstehen und meine dünenn Sohlen helfen da gar nicht. Dazu gesellen sich dann auch noch Rückenschmerzen, wahrscheinlich weil der Weg „steinhart“ ist, haha. Als ich in Terradillos de los Templarios ankomme und unkompliziert in die Herberge einchecken kann, bin ich heilfroh. Es gibt ein Vierbettzimmer mit eigenem Bad und Dusche, Luxus pur. Es stellt sich außerdem heraus, dass ich es mir nur mit einer weiteren Person werde teilen müssen. Für 18 Euro ist das ein super Deal. „The Camino provides“, denke ich mir mal wieder. Zum Abendessen verabrede ich mich mit Doug, einem Bauingenieur aus Maine, der mit 61 gerade freigestellt wurde und nun nach neuen Betätigungsfeldern sucht. Wir unterhalten uns prächtig und zwei Stunden vergehen wie im Flug. Ein interessanter Abend mit gutem Essen und Rotwein. So kann es weiter gehen. Ich falle ins Bett und bin einfach weg…
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