Camino Francés · Etappe 26
Senkrecht den Berg hinauf
Tag 29 · Etappe 26 · Villafranca del Bierzo nach La Laguna de Castilla · 25,4 km laut Führer
Die schwerste Etappe meines Camino steht auf dem Plan. Es geht von Villafranca del Bierzo nach La Laguna. Gut 27km und ca. 800 Höhenmeter sind zu absolvieren. Der Anstieg selbst beginnt erst richtig bei Kilometer 19 und wird dann entsprechend steil auf dem letzten Stück. Mit dem Wissen zur heutigen Aufgabe, starten wir bereits um 6:30 Uhr von der Herberge, Frühstück war leider nicht verfügbar. Robert, Franka, Davide, Polly und ich laufen in zügigem Tempo den Weg ins nächste Dorf, immer an der Straße entlang und nur im Lichte unserer Stirnlampen. Der Camino wirkt noch als würde er schlafen, nichts regt sich.

Wir haben Glück, denn im nächsten Dorf hat ein Restaurant trotz des Sonntags zu früher Stunde geöffnet und wir belohnen den Wirt mit einer reichhaltigen Bestellung. Wie schon so oft gönne ich mir ein Bocadillo mit Jamon, also ein Baguette mit Serranoschinken. Dazu gibt es einen großen Kaffee, der auch wirklich munter macht. Die Zeit vergeht wie im Flug und nur unwillig begeben wir uns nach 45 Minuten wieder nach draußen. Der Tag bricht schon an, doch der Weg ist noch immer unverändert, lang, ohne Abwechslung und an der Hauptstraße entlang.

Hin und wieder gibt es kurze Abschnitte auf denen man von der Hauptstraße weggeführt wird, das nächste Dorf liegt dann etwas abseits der großen Verkehrsader. In diesen Fällen ist das Laufen angenehmer, es gibt kleine Bäche, die vom Berg herunterfließen und die Straße ist voll mit Esskastanien. Tonnenweise!
Da mir meine Gruppe etwas sehr langsam unterwegs ist und auch besonders viel stoppt, entscheide ich mich, wie so oft, allein weiterzulaufen. Irgendwann, nach 18km, stehe ich am Fuß des Berges und die Etappe beginnt erst so richtig.

Irgendwann geht es den Berg hinauf. Nicht sachte, sondern mit gut 15-20% Steigung. Den ersten halben Kilometer laufe ich entlang der Straße, halb so schlimm, kommt mir in den Sinn. Auf einmal biegt der Weg nach links ab und es geht wieder nach unten. „Warum das denn?“, frage ich mich. „Muss ich das Ganze nochmal bewältigen?“

Als ich wieder unten angekommen bin, geht es über eine kleine Brücke und ich sehe schon wie sich der Weg in der Ferne nach oben schlängelt.

Es macht Spaß den Berg zu erklimmen, denn der Boden ist weich und angenehm zu laufen. Das gute Gefühl währt nicht sehr lange, denn es wird immer steiler und steiniger.

Ich überhole ein paar ältere Semester, die der Steigung Tribut zollen müssen. Es ist wirklich unerbittlich, denn es geht immer weiter steil hinauf.

Nach einem scheinbar endlosen Anstieg, komme ich an ein kleines Kloster, das auch eine Herberge ist. Die Hälfte ist geschafft. Ich selbst bereits zu zwei Dritteln. 🙄

Nun muss es ja bald geschafft sein, sage ich zu mir. Leider noch nicht. Es geht weiter, durch ein kleines Dorf, dessen Namen ich vergaß und dann wieder auf einen wenig befestigten Pfad.

Als ich mich dem Gipfel nähere, werde ich mehrfach mit einer tollen Aussicht belohnt. Ich puste ordentlich und plane sofort nach Ankunft zu duschen. Noch geht es weiter, die Beine sind noch gut dabei, aber mir fehlt ab und an kurz die Luft und ich mache etwas langsamer.


Da jeder Anstieg einmal ein Ende hat, erreiche ich kurz vor 15 Uhr mein Ziel in La Laguna. In diesem Moment bin ich völlig geschafft, aber glücklich.

Meine Kameraden kommen eine Stunde später an und den Rest des Tages trinken wir Radler und Bier und erzählen von unseren Erlebnissen. Wir sitzen in der Sonne bei 20 Grad und lassen es uns gutgehen.

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